82018Apr
5.Interdisziplinäre Tagung der Gesellschaft für Mann + Gesundheit 7.4.2018

5.Interdisziplinäre Tagung der Gesellschaft für Mann + Gesundheit 7.4.2018

Titel „Der Mann in der Arbeitswelt“

Die Vortragsthemen versprachen einen spannenden Vormittag, die Referenten waren ausschließlich Kapazitäten auf ihrem Gebiet und einige davon schon universitäre Legenden wie Sozialmediziner Prof.Kunze, Ernährungsmediziner und Kinderarzt Prof.Widhalm oder Psychiater Prof.Lesch. Alle Vorträge waren sehr gut und kompakt präsentiert, ich möchte aber nur 3 Schlüsselthemen zusammenfassen:

Burnout versus Resilienz

Ist das Thema Burnout für medizinische Vorträge nicht schon ausgebrannt? Im Gegenteil, Michael Bayer zeigte mit anschaulichen Beispielen aus seinem Beratung- und Trainingsalltag, wie wichtig die rechtzeitige Diagnose ist und brachte uns das 12-Stufen Burnout Model (nach Freudenberger) wieder in Erinnerung.

12-Schritte-zum-Burn-Out
Die Resilienz hilft uns, in diese Abwärtsspirale erst gar nicht hineinzugeraten. Wichtig wäre jedoch, dass schon bei Kindern das Selbstwertgefühl gestärkt wird, anstatt ihnen ihre Unzulänglichkeiten mit roter Tinte in Schulheften ständig vor Augen zu führen. Wie soll da der so wichtige Optimismus entstehen, der uns in schwierigen Phasen hilft, zuversichtlich an der Lösung zu arbeiten – Pessimisten sehen ausschließlich das Hindernis. Kann man Fehler akzeptieren und Konsequenzen daraus ziehen? Eine der sieben Säulen der Resilienz ist auch, dass man die Opferrolle verlassen muß: „Was soll ich tun? Ich kann ja nichts dafür.“

Diagramm_Resi

Übergewicht und Adipositas durch falsche Ernährung

Prof.Dr.Widhalm zeigte, dass der Anstieg der Adipositas besonders seit dem Jahr 2000 dramatisch zugenommen hat. Vorallem bei den Jugendlichen ist der durchschnittliche BMI von 16 auf 22 angestiegen, was in dieser Gruppe eigentlich schon als Übergewicht zu bezeichnen ist. Europaweit sind 12-16 Mio.Kinder übergewichtig! Bei 30% der übergewichtigen Jugendlichen wird eine Fettleber diagnostiziert (NAFLD – Non-alcoholic fatty liver disease). Bei diesen Jugendlichen kann bereits auch eine Veränderung der Blutgefäße, Verdickung der Intima media, durch den entgleisten Stoffwechsel festgestellt werden. Keine Pole-position für den Rest des Lebens…

Ein ganz nutzloses Tool – und da waren sich alle Spezialisten einig – sind „Ernährungspyramiden“, weil sie von den meisten Patienten nicht verstanden werden und keine Praxistauglichkeit haben. Zentrale Empfehlung von Prof.Widhalm:
– Gute Fette/Öle: Rapsöl, Olivenöl (nicht unbedingt Leinöl, weil es auch einen hohen Anteil an Omega 6 FS hat)
– Reduktion des Konsums von „rotem“ Fleisch (Schwein, Rind, Lamm,…)
– Etablieren von Nüssen in der Ernährung
– Reduktion von Zucker und Stärke
– Steigerung von Sport (bei Kindern täglich mind.60 min.!)

Es gab noch ein Statement zur Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Supplementen: Vitamin D und Fischöl sind die einzigen 2 Substanzen, die in wissenschaftlichen Studien gut wegkommen. Alles andere, Multivitaminpräparate, Calcium, Vitamin E, Folsäure, Alpha Retinol, etc. sind demnach nutzlos, teilweise sogar gesundheitsschädlich.

Zuletzt präsentierte Prof.Widhalm eine Grafik, die das Ergebnis von wissenschaftlichen Studien zum Thema gesunde/ungesunde Lebensmittel zeigt. Demnach stehen Hamburger und Hot-dogs an der Spitze der ungesunden Lebensmittel, während Naturjoghurt, Fisch, aber auch Hühnerfleisch bei den gesunden weit vorne liegen.

Nikotinabusus

Bei diesem Thema war Prof.Dr.Kunze in seinem Element. „Ein Kliniker würde sowas nie machen.“ resümierte Kunze den Umfaller der Regierung beim Nichtraucherschutz. Durchaus sinnvoll sind ANDS (Alternative nicotine delivery systems) – also auch sogenannte E-Zigaretten, die vorallem den Heavy-smokern das Aufgeben der Zigarette erleichtern sollen.

Zum Thema Senkung der Raucherquote zitierte er eine bereits 1986 publizierte Studie zur sogenannten „Preiselastizität“ bei Zigaretten. Diese besagt, dass bei Anheben der Zigarettenpreise um 1% in der Folge 0,6% der Raucher zum Rauchen aufhören. Australien hat diese Erkenntnis ausgereizt und verzeichnet bei Zigarettenpreisen von 18-20 AUD pro Packung (bis 2020 will man auf 45 AUD) eine drastische Senkung der Raucherquote. Die Steuereinnahmen bleiben trotz sinkender Raucherzahlen stabil, die Tabakindustrie verhält sich ruhig, weil sich auch ihre Umsätze nich dramatisch verändern.
Prof.Kunze bemängelt, dass auch die notwendige Preisbindung bei Zigaretten mit der Gesetzeskorrektur aufgegeben werden soll. Ein weiterer Rückschritt, den die rücktrittsreife Gesundheitsministerin zu verantworten hat.

Zusammengefasst: Eine spannende Fortbildung mit Vorträgen auf hohem Niveau. Ein Dank an den Präsidenten der Gesellschaft für Mann + Gesundheit Dr.Michael Eisenmenger für die Organisation.