102018Jan

Neue Therapien beim Prostatacarcinom

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In der sogenannten PIVOT-Studie, einer nicht ganz unumstrittenen amerikanischen Studie zum Prostatakrebs, zeigte sich, dass Patienten mit einem Prostatacarcinom mit niedrigem Risiko in ca.30% eine zu aggressive Therapie bekommen.

Die zunehmende Möglichkeit, das Prostatacarcinom mittels multiparametrischer MRT und gezielter Biopsie zu diagnostizieren, eröffnet neue Wege für lokale, schonende Therapien dieser Krebserkrankungen. Der Stellenwert dieser Therapien ist momentan noch unklar und wird im Rahmen wissenschaftlicher Studien untersucht. Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei den folgenden Therapieverfahren nicht um erprobte Standardtherapien handelt, sondern, dass der Erfolg dieser Behandlungsformen erst in ein paar Jahren schlüssig beurteilt werden kann:

1.) HIFU (Hochintensiver fokussierter Ultraschall)
HIFU wird seit über 20 Jahren an der Prostata angewendet. Der Therapieeffekt entsteht, indem durch den hochintensiven Ultraschall
das Gewebe auf 90° erhitzt wird, andererseits wirkt auch ein mechanischer Effekt auf die Prostatazelle. Die Studien sind sehr
vielversprechend, vor allem kann die Methode jederzeit wiederholt werden.

2.) Kryotherapie
Bereits in den 60-er Jahren wurde eine Behandlung des Prostatcarcinoms mit Stickstoff durchgeführt. Derzeit spielt diese Therapie
nur eine untergeordnete Rolle, einige aktuelle Studien laufen und werden den Stellenwert dieser Methode neu definieren.

3.) Vasculäre photodynamische Therapie
Nach Injektion einer photoaktiven Substanz wird durch Laserlicht eine Gewebezerstörung hervorgerufen. Die Positionierung der
Laserfasern erfolgt mittels Software und durch Planung anhand präoperativem mpMRT. In einer Phase 2 Studie wurde 6 Monate
nach Behandlung von 60 Patienten in der Kontrollbiopsie bei 82% eine Tumorfreiheit gefunden.

4.) Nano Knife
Die „Irreversible Elektroporation“ (IRE) ist eine Methode, die derzeit vor allem in Deutschland einen Boom erfährt. Der Tumor wird
behandelt, indem eine Zellzerstörung durch Stromimpulse mit relativ dünnen Nadeln hervorgerufen wird. Im Vergleich zu
thermischen Verfahren ist diese Methode sehr gewebeschonend. Kontinenz und Erektionsfähigkeit sollen im wesentlichen
unangetastet bleiben. Kontrollbiopsien 6 Monate nach der Behandlung zeigten, dass bei 62% der Patienten eine Tumorfreiheit
erzielt werden kann. Die Anwendung sollte daher ausschließlich unter strenger Nachsorge in spezialisierten Zentren durchgeführt
werden.

Quelle: Nachrichten der Österreichischen Gesellschaft für Urologie, Beitrag: HIFU: Chancen und Risiken bei der Behandlung des Prostatacarcinoms.