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Stress der werdenden Mutter hat Einfluß auf die spätere Gesundheit des Kindes

Stress der werdenden Mutter hat Einfluß auf die spätere Gesundheit des Kindes

FullSizeRenderHighlights vom „Fachtag Psychosomatik 2016“

Frühkindliche Stresserfahrungen, Immunentwicklung und chronisch entzündliche Erkrankungen
(Univ.-Prof.in Dr.in Angelika Buske- Kirschbaum, TU Dresden)

In ihrer Präsentation zeigte Frau Dr.in Buske-Kirschbaum, dass in zahlreichen Studien der Zusammenhang zwischen psychosozialer Belastung in der Schwangerschaft und einem erhöhten Risiko für unterschiedliche Erkrankungen beim Kind (Neurodermitis, Depression, ADHS, Diabetes und Asthma) nachgewiesen werden konnte. Stress in der Schwangerschaft führt zu einer verstärkten Freisetzung von Cortisol, von dem ca. 20% die Plazenta passieren. Dies wiederum verursacht beim Kind über 2 Mechanismen eine erhöhte Freisetzung von eigenem Cortisol. Das bedeutet, dass über diesen Weg die chronische mütterliche Belastung zu einer „Fehlprogrammierung“ des kindlichen Stresshormonhaushaltes führt und damit auch nach der Geburt, bzw.bis ins Erwachsenenalter nachweisbar ist.

In einer Reihe von Studien konnte gezeigt werden, dass diese veränderte Reaktivität in der Stresshormon-Achse, vor allem bei zusätzlicher genetischer Veranlagung, sich auch auf die Entstehung allergischer Erkrankungen, wie Asthma und Neurodermitis auswirkt.
Im „Projekt Icestorm“ siehe Originalartikel wurden Kinder nach einem mütterliche Trauma in der Schwangerschaft untersucht und dabei konnten Veränderungen in der neurologischen Entwicklung gefunden werden, die von signifikanten Defiziten im Merkvermögen und in der Sprachentwicklung, bis zu erhöhten Autismus-Raten reichten.


Kardiovaskuläres Risiko und depressive Störungen
(Ass.Prof.Priv.-Doz.Dr.Mag.Andres Baranyi, Med.Uni Graz)

Depressionen lösen physiologische Veränderungen aus: Aktivierung des autonomen Nervensystems, Herzrhythmusstörungen, Entzündungsreaktionen, erhöhtes Thromboserisiko.
So haben Patienten nach einem Herzinfarkt einerseits ein 3-fach höheres Risiko eine Depression zu entwickeln und andererseits erhöhen depressive Symptome das Risiko für weitere Herz-Kreislauf-Zwischenfälle. Die bei einem Herzinfarkt freigesetzten Zytokine dürften immunologische Vorgänge langfristig beeinflussen und so die Gefäßverkalkung weiter vorantreiben. Für die Betroffenen ein Teufelskreislaufs.


Psychosomatik des gebrochenen Herzens
(Dr.Georg Titscher, Wien)

Dass seelisches Leiden zu manifesten Erkrankungen des Herzens führen können, ist auch für eine Evidence-based Medicine schlüssig nachgewiesen.
Sehr interessant waren die Ausführungen von Kollegen Titscher über das „Broken heart“-Syndrom. In Japan entdeckt, wurde es „Tako tsubo-Syndrom“ genannt, weil es zu einer bandförmigen Einschnürung der linken Herzkammer führt (Bild A) und damit an die Form einer amphorenartigen Tintenfischfalle (Tako tsubo, Bild B) erinnert.
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Das Broken heart-Syndrom ist eine akut einsetzende, schwerwiegende Funktionsstörung des Herzmuskels. Betroffen sind zu 90% Frauen nach dem Wechsel, die Symptome gleichen denen eines Herzinfarktes, einschließlich der typischen EKG-Veränderungen (!), und treten meist nach großen emotionalen Erschütterungen auf. Die Ursache dürften deutlich erhöhte Blutspiegel von Stresshormonen sein, insbesondere der körpereigenen Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin. Der Nachweis und damit die Unterscheidung zum Herzinfarkt gelingt erst durch die Darstellung der Einschnürung in der Akutangiografie.

Die Prognose ist bei den meisten Patienten günstig, nach einigen Wochen ist die Herzfunktion bei der Mehrzahl von ihnen normalisiert. Im Akutstadium allerdings sind ernste und auch lebensbedrohliche Komplikationen möglich.